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Vierspännig durch Calbitz

Der Postillion auf der Strecke Oschatz nach Leisnig (Teil II)

Im Gasthof Drei Lilien war eine Poststation untergebracht. Davon berichtet Claus Schimmel auf der Heimatseite. Die Fußbotenpost wurde 1652 durch eine zweimal die Woche verkehrende Reitpost (Felleisenpost) mit Pferdewechsel im Gasthof Lonnewitz (Station) bei Oschatz umgewandelt. Postreiter verwahrten die Briefe und Wertsachen, in einem Felleisen (eine längliche Posttasche) aus Seehundfell oder Leder, den er am Sattel festschnallte.

Neben der Reitpost von 1652 Leipzig-Wurzen-Oschatz-Dresden verkehrte durch den Postmeister Egger 1683 die erste innersächsische vierspännig fahrende Post durch Calbitz. Die offene Postkutsche fuhr zweimal wöchentlich und benötigte für eine Fahrt von Leipzig nach Dresden etwa 22 Stunden, bei zwei Talern und 15 Groschen. Ein mehrmaliger Pferdewechsel machte sich auf den Stationen notwendig. Auch diese Post wurde bald bis Prag verlängert. Zu ihr gehörten zur Sicherung gegen Überfälle zwei Geleitsreiter, die die Post begleiteten. Für den Geleitschutz war der Kurfürst von Sachsen zuständig. Die Geleite waren in Wurzen, Dahlen, Oschatz und Bornitz stationiert.

Eine Fahrt von Wurzen nach Dresden dauerte 18 Stunden. Die Postkutschen waren in der Anfangszeit rot angestrichen, die Postillione trugen rote Livreeröcke. Erst später trugen sie gelbe Uniformröcke mit blauen Aufschlägen, weiße Hosen und den Dreimaster als Hut. Um 1700 befuhr eine schnellfahrende Personenpost diese Route in beide Richtungen. Von 1704 bis 1725 wurde am dreieckigen Marktplatz im Gebäude des altehrwürdigen und historischen Calbitzer Gasthofes Drei Lilien mit Ausspanne eine Poststation eingerichtet. Hier wurden Briefe und Pakete angenommen, und hier befand sich die Einschreibstelle für die Postkutsche.

Der Postillion blies immer am Ortseingang von Calbitz seine Signale. Die notwendigen Hornrufe ließen die Anzahl der Postkutschen erkennen, weiter die Anzahl der vorgespannten Pferde. Der Postverwalter verstand die Hornsignale. Der Gastwirt und Posthalter musste laut Vertrag in seinem Stall eine bestimmte Anzahl von Pferden für die sofortige Weiterfahrt bereit halten. tuer 3lilien

Bei einem Pferdewechsel wurden die ankommenden Pferde im Poststall - dem späteren Gaststall - untergebracht. Während des Pferdewechsels konnten sich die Reisenden im Gasthof Drei Lilien stärken und sich von den Anstrengungen der holprigen Fahrt etwas erholen. Einerseits kamen die Erschöpfungen durch das Festhalten des Handgepäcks, das mit im Wagen untergebracht werden konnte, andererseits durch das eigenhändige Festhalten beim Bergauf-und Bergabfahren. Auch sonstige Stöße auf den mit Steinen ausgebesserten Straßen wurden registriert, da aller Augenblicke das Gepäck und die Reisenden selbst in eine andere Lage in der Postkutsche gerieten, was sehr unangenehm war. Fortsetzung folgt (Quelle: OAZ vom 19. Mai 2009)

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