Calbitz ist Älter

Ja, Calbitz ist wesentlich älter, nur der älteste schriftliche Nachweis ist die Urkunde von 1292.

Aber außer schriftlichen Belegen gibt es auch noch andere Nachweise. Zum Beispiel Funde im Boden, Erwähnungen in anderen schriftlichen Belegen, welche aber meist später angefertigt wurden, Baudenkmäler und anderes.

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Der Turm unserer Kirche dürfte vor 1292 schon erbaut worden sein. Calbitz kann man als eine slawische Gründung annehmen. Es könnte zwischen 600 und 900 entstanden sein. Sein erster Ortsname Kalewize weist auf das slawische Wort kalu - Sumpf hin.

Eine wasserreiche und fischreiche Lichtung könnte slawische Familien angelockt haben. Diese gehörten zu dem Stamm der Daleminzier, welche das von den vorhergehenden Bewohnern germanischer Stämme geräumte Gebiet in Besitz nahmen. Fischzucht, Jagd und Viehzucht waren die Hauptbeschäftigungen der neuen Bewohner. Aber auch Ackerbau dürfte nach Rodungen betrieben worden sein. Man könnte vermuten daß die Dorfbewohner auch eine Befestigung aus Holz besaßen, da ein solcher Burgenbau typisch für sie war.

Lokalisieren könnte man das Dorf und seine Befestigung auf das Gebiet der heutigen Kirche, da deutsche Kirchen später meist auf Heiligtümer oder Wälle der Slawen erbaut wurden. Aber man könnte auch eine Höhenburg vermuten auf dem Gelände des Grundstückes Reinhardt Gröbe in Kötitz.

calbitz koetitz 2

In der historischen Literatur findet sich eine Bemerkung Calbitz betreffend, daß im Jahre 1002 die Polen unter ihrem Herzog Boleslaw (992 bis 1025), dem späteren König Boleslaw, eine Burg der Deutschen in Calbitz zerstört haben.

Tatsache ist: Die Polen waren um diese Zeit nachweisbar tatsächlich in unserem Gebiet, um ihren Staat durch Eroberungen bis an die Mittelelbe auszudehnen. Auch die Burgen Strehla, Meißen, Zehren und andere wurden erobert und zerstört. Die Calbitzer Burg soll sogar nach dem Abzug der Polen wieder aufgebaut worden sein!? Es ist zu vermuten, daß anstelle der Burg später dort Altkötitz entstand, obwohl die ältesten Calbitzer den Standort des Rittergutes Altkötitz auf die ehemalige Schäferei lokalisieren. Kötitz muß wahrscheinlich das älteste Siedlungsgebiet sein.

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1981 baute die LPG einen neuen Rinderstall an der Straße nach Großböhla. Nachdem der Mutterboden abgetragen war, entdeckten die damaligen Schüler Jens und Dirk Wolf, Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Geschichte an der Schule, Brandspuren, Scherbenreste, Knochensplitter und Bronzereste. Nach einer sofortigen Begehung durch mich[=der Autor S. Heidler] und weitere Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft konnten wir feststellen, daß Jens und Dirk einen Urnengräberfriedhof aus der Bronzezeit (ca. 3000 Jahre alt) entdeckt hatten. Wir sicherten alle Fundstellen und bargen die wichtigsten Funde. Leider waren alle Urnen beim Abtragen des Mutterbodens durch eine Raupe mit Schiebeschild zerstört worden.

Durch einen hinzugezogenen Mitarbeiters des Landesmuseums in Dresden wurde die Einordnung der Funde bestätigt. Wo ein Urnengräberfriedhof ist, muß auch eine Siedlung gewesen sein.

Der älteste Fund von Calbitz, ein walzenförmiges Steinbeil, wird in die mittlere Steinzeit (8000 bis 3000 v.u.Z. ) eingeordnet. Der Fund wird in Dresden aufbewahrt. Er beweist die Existenz von Menschen in dieser Zeit in unserer Gegend, welche als Nomaden, als Jäger, Sammler und Fischer gelebt haben.

„Die ältesten Zeugnisse von der Anwesenheit der Menschen auf heute sächsischem Gebiet reichen ca. 250000 Jahre zurück." (Dr. Coblenz)

Vielleicht jagten und sammelten in dieser Zeit schon Menschen in den Wäldern und Lichtungen um den Collm.

(Quelle: Calbitz am Collm 1292-1992, von Siegfried Heidler)

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