Schloß Hayn

"Im Wermsdorfer Wald nordwestlich der Kreuzung Flügel O, Allee 9 liegt eine Wehranlage nach Art einer Wasserburg.

An Ort und Stelle sehen wir noch drei große Ringwälle mit Wassergräben und ein verhältnismäßig kleines Plateau. Dies war der innere Teil der viel umfangreicheren Burganlage, welche von den Deutschen erbaut worden ist, oder doch schon von den Slawen?

Bisher wurden nur Scherben aus deutscher Zeit gefunden, aber genaue Grabungen sind auch noch nicht erfolgt. Die Bezeichnung Schloß ist irreführend, in Wirklichkeit war es eine Burg. Die Schreibweise ist unterschiedlich, einmal Hayn aber auch Hain ist gebräuchlich.

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In „Bodenerkunden im Wermsdorfer Wald" von Rudolf Lehmann ist folgende Beschreibung durch Werner Ehrlich enthalten:

„Ein System von drei Gräben umschließt ein fast kreisrundes Plateau von ungefähr 25 Meter im Durchmesser. Der äußere Graben ist trocken, von geringer Tiefe und nicht mehr völlig ausgeprägt. Wahrscheinlich ist er durch Ausschaufeln des anliegenden kleinen Walles entstanden, der etwa einen Meter hochist. Über ihn gelangt man in einen zweiten trockenen Graben, der durch einen etwa vier Meter hohen, ziemlich steilen Wall vom innersten Hauptgraben getrennt ist. Er ist der breiteste und tiefste. Der mittlere Wall hat einen Umfang von etwa 225 m, der innerste von etwa 150 m. Die Gräben stehen mit einem Bachlauf und ehemaligen Teich in Verbindung, so daß die Wehranlage nach Art einer Wasserburg gesichert war."

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Hängt diese Burg etwa gar mit den Landthingen am Collm zusammen, wo Fürsten und Markgrafen vom Ende des 12. Jahrhunderts bis Mitte des 13. Jahrhunderts zusammentrafen? Immerhin liegt sie unweit der Straße, die von Nerchau über den Bischofsweg und Wermsdorf nach Collm führte. Das Geheimnis der Wasserburg muß durch Grabungen erst noch gelüftet werden. Erhalten ist aber vom „Schloß Hayn" eine Sage, welche im Heimatbuch für Schule und Haus vom Bezirkslehrerverein Oschatz enthalten ist und durch den Lehrer Mannewitz aufgezeichnet und damit der Nachwelt erhalten wurde.

Im Volke erzählt man sich folgende Sage:

Einst war in Calbitz Tanz. In fröhlicher Stimmung verließen die Dorfmusikanten spät in der Nacht den Ort und wanderten ihren Heimatdörfern zu. Dabei kamen sie in die Nähe des wüsten Schlosses Hayn. In seinem Übermute machte einer der Musikanten den Vorschlag, dem Schloßherrn ein Ständchen zu bringen. Alle waren einverstanden und die rauhen Töne der Dorfmusikanten erklangen durch die Stille des nächtlichen Waldes.

Kaum hatten sie das zweite Stück begonnen, da erschien auf den verfallenen Mauern ein graues Männchen mit einem langen Barte. Vor Schreck hörten die Musikanten mitten im Stück auf zu spielen. Doch das Männlein winkte ihnen freundlich zu. Endlich wagten sie näher zu treten. Das Männlein verkündete ihnen: „Der Schloßherr hat sich über das Ständchen gefreut, das ihr ihm gebracht habt und schenkt jedem von euch eine Wurst zum Lohne." Mit diesen Worten verschwand es.

Starr vor Schreck blickten sich die Musikanten an und schlichen leise von der unheimlichen Stätte fort. Neugierig versuchten sie von dem Geschenk zu kosten, doch die Wurst war so hart, daß sie allen Angriffen widerstand. Aus Ärger warfen sie die Wurst weg. Nur einer steckte sie in die Tasche.

Im Heimatdorfe angekommen, versprachen sie einander, niemand davon zu erzählen, um nicht ausgelacht zu werden. Der eine ließ sich seine Wurst zum Mittagsmahle zurichten. Als er sie anschnitt, fielen lauter blanke Goldstücke heraus. Gar bald erfuhren das die Nachbarn. Schnell machten sich die anderen Musikanten auf, um die weggeworfenen Würste zu suchen. Doch vergebens. Die Musikanten zogen traurig heimwärts. Von einem hohen Baum rief ihnen ein Vöglein nach: Tschitschipä, Tschitschipä!"

(Quelle: Calbitz am Collm 1292-1992, von Siegfried Heidler)

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